Neues aus der Playmobeat-Ecke:
9. Oktober 2014


Wir hatten vier unglaubliche Tage in Italien bei der Percussion Art Society.
Neben einem dreitägigen Contest, wo wir zusammen mit Zoro the Drummer von früh bis spät in der Jury saßen, gaben wir Konzerte und Workshops.
Die wenigen Fünfminutenpausen durften für erholsame Bäder in der Adria genutzt werden und so sind wir nun frisch und motiviert für neue Untaten.
Mit einem befreundeten Theaterregisseur arbeiten wir an unserer Show. Das ist das erste Mal, dass eine vierte Person uns auf die Finger hauen darf.
Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf Kritik und Anregungen.
Das erste Ergebnis könnt ihr euch am 26. Oktober in Berlin reinziehen.


Bis die Tage, Andi, Chris und David






David Pätsch schreibt

Die Montags-Kolumne


Die kleine Trommel ganz groß

Jeder Schlagzeuger hat eine und einige haben mehrere davon. Der Drummer von Reamonn, Gomezz, soll gleich 300 Snare Drums sein eigen nennen. Auch wenn diese Zahl den täglichen Bedarf weit übersteigt, ist der Trend zur Zweit-Snare nicht mehr aufzuhalten.
Wodurch wurde die kleine Trommel zu einem unverzichtbaren Teil des Drumsets? Schauen wir in die Vergangenheit, wo vor Jahrhunderten Trommler ein wichtiger Teil des Militärs waren. Um ohne GPS und fernmündliche Überlieferung einen Truppenteil an eine bestimmte Stelle zu bringen, brauchte man Trommler, die in einer vorgegebenen Geschwindigkeit eine bestimmte Schlagabfolge so und so oft spielten bis die Soldaten ihre Position erreicht hatten. Diese Schlagabfolge nannte man dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts Rudiments. Das kann man sich also so vorstellen: Offizier schreit den Trommler-Soldaten an: “Ihr marschiert jetzt los und spielt dabei 30 Single Ratamacues und danach 50 Flam Taps, dann greift ihr an…” Wer ein ungestilltes Interesse an Rudiments und Fachchinesisch hat, kann hier mehr lernen.
Die ersten Schlagabfolgen haben die Schweizer erfunden und gleich darauf das Taschenmesser nachgeliefert. Sehr fürsorglich von den Eidgenossen, trotzdem bin ich froh, Rudiments ausschließlich friedlich zu nutzen.
Der heute noch verbreitete Traditional Grip (die linke Handinnenfläche zeigt nach rechts, die rechte Handinnenfläche zeigt nach unten) macht Sinn, wenn die kleine Trommel beim Laufen gespielt wird. Dann liegt sie auf dem linken Oberschenkel auf und bekommt dadurch Schräglage. Diese kann durch den Traditional Grip ausgeglichen werden.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Naturfell der kleinen Trommel durch eine Zickzack-Schnürung gestimmt. Wer einmal mit einer Naturfelltrommel in der Nähe eines Regengusses gestanden hat, weiß wie das Instrument die Stimmung verliert. Das Fell saugt sich mit Feuchtigkeit voll und dehnt sich.
Um eine stimmstabile Snare Drum zu erfinden, brauchte es mehre Etappen, von denen ich euch im nächsten Teil berichte. In der Zwischenzeit muss ich Gomezz kontaktieren und danach fragen, ob seine Sammlung wirklich so umfangreich ist. Manch anderer Trommler hätte sich für das viele Geld ein Haus gekauft oder alles in sinnvolle Werte wie schnelle Autos investiert. Ich vermute, dass dahinter der Plan steckt, die Anzahl von weltweit verfügbaren Snares zu reduzieren um dann als Monopolist die Preisspirale loszutreten. Ich werde darüber berichten.






Und das gab's letzte Woche:

Andi Bühler schreibt

Die Montags-Kolumne


Aberglaube
Vergangene Woche musste ich mir eingestehen, dass ich hochgradig abergläubisch bin. Ob das nun modern ist, ob das Mittelalter nun wirklich schon ne Weile vorbei ist oder ob alles, was passiert, mit Formeln und handfesten Beweisen zu erklären ist, tut nichts zur Sache. Wenn man an etwas glaubt, bleibt jegliche Logik außen vor.
Dass ich mit meinem Fahrrad auf dem Weg zum Supermarkt erst an der zweiten Kreuzung abbiegen darf, da mir bei der ersten etwas zustoßen würde, obwohl der Weg so herum sogar etwas kürzer wäre, ist nur ein kleines Beispiel, dass mich jedoch ins Grübeln brachte.
Und so musste ich, zum eigenen Entsetzen festellen, dass dies bei Weitem nicht der einzige irrationale Tick ist, der mein Leben hier und da bestimmt. Beispielsweise trug ich bei einer ehemaligen Rockband von mir stets das gleiche Paar Socken, wenn wir auf der Bühne die Sau raus ließen. Ohne meine Glückssocken konnte ich nicht auf die Bühne, wodurch sich am Ende weder die Outfit-, noch die Geruchsästhetik, als besonders angenehm beschreiben lässt. Meine Bandkollegen haben nie erfahren, warum an jedem unserer Spielorte der selbe unangenehme Geruch die Bühne beherrschte.
Bei einem Drummer-Wettbewerb spielte ich sämtliche Pflichtstücke mit meinen Lieblings-Sticks, die durch die Vorbereitungen jedoch schon so weit in Mitleidenschaft gezogen waren, dass ich eigentlich nur noch Splitter in der Hand hielt. Ich bin jedoch überzeugt, dass ich ohne sie niemals gewonnen hätte.
Ein weit zurückreichender Aberglaube wurde mir von meinem Grundschul-Religionslehrer Herr Mademann eingepflanzt.
Er erzählte mir und meinen siebenjährigen Klassenkameraden eine Geschichte, die sich anscheinend gerade zugetragen hatte:
ein Junge zweifelte an der Existenz Gottes und sagte zu seinen Freunden, “wenn es wirklich einen Gott gibt, dann will ich in zwei Tagen sterben”. Zwei Tage später hatte der Junge einen Fahrradunfall mit bitterem Ende. Egal welche religiösen Exkursionen und Gedankengänge ich mir bisher erlaubt habe, diese Geschichte ließ mich nie los und der Superpädagoge Mademann hat nicht Glaube sondern Aberglaube gepflanzt. Das funktioniert auch wirklich am besten.
Naja, gerade hab ich mir mal wieder den Bart rasiert – das wäre gestern nicht möglich gewesen. Das “Warum” wollt ihr gar nicht wissen!






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