Neues aus der Playmobeat-Ecke:
9. Oktober 2014


Wir hatten vier unglaubliche Tage in Italien bei der Percussion Art Society.
Neben einem dreitägigen Contest, wo wir zusammen mit Zoro the Drummer von früh bis spät in der Jury saßen, gaben wir Konzerte und Workshops.
Die wenigen Fünfminutenpausen durften für erholsame Bäder in der Adria genutzt werden und so sind wir nun frisch und motiviert für neue Untaten.
Mit einem befreundeten Theaterregisseur arbeiten wir an unserer Show. Das ist das erste Mal, dass eine vierte Person uns auf die Finger hauen darf.
Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf Kritik und Anregungen.
Das erste Ergebnis könnt ihr euch am 26. Oktober in Berlin reinziehen.


Bis die Tage, Andi, Chris und David






David Pätsch schreibt

Die Montags-Kolumne


Kernkompetenz
Als Musiker ist man oft unterwegs und die eigene Wohnung steht leer. Für ein paar Nächte ist dieser Leerstand zu verschmerzen, aber wenn es sich um mehrere Wochen handelt, tun einem die ungegossenen Pflanzen leid.
Es handelt sich auch schlicht um eine Ungerechtigkeit, wenn so viele Menschen eine Bleibe in Berlin suchen und in meiner Butze die Spinnenweben von der Decke wachsen.
Also teilte ich den gewogenen Wohnungssuchenden mit, dass eine Zwischenvermietung meiner Wohnung als Zeichen der Solidarität unter den Völkern stattfinden könnte.
Ich schreibe bewusst Völker, weil ich während der Besichtigungstermine Menschen aus allen Kontinenten kennenlernen durfte.
Kat, Divanjee, Trae, Carvalho waren mir als Vornamen nicht geläufig.
Dagegen sind Francesco, Tomek und Chiara fast schon langweilig.
Ich habe mir vor den Terminen vorgestellt, wie eine Chiara aussieht und was sie in Berlin vorhat. Ob es ein Mann oder eine Frau oder schlichtweg unentschlossen im Bezug auf das Geschlecht ist. Eher eine Partymaus oder ein hart arbeitender Mediziner aus Tansania mit Stammesnarben im Gesicht? Könnte mir Chiara bei meinen Computerproblemen helfen oder gleich bei der Begrüssung im Wohnungsflur ihren Namen tanzen?
So verschieden ihre Geschichten und ihre Wesen waren, so hatten alle eines gemein:es gab nicht einen Job mit dem sie Geld verdienen, sondern viele.
Mein Spitzenreiter arbeitet als Booker und Übersetzer und ist Teil eines Zusammenschlusses von Veranstaltern in Berlin. Nicht zu vergessen seine Kompetenz in der Werbebranche und als Musiker. Fast keiner sprach deutsch, was weniger ein Problem für mich darstellt, wenn die englische Sprache eine gemeinsame Lösung ist. Interessanterweise ist diese in Italien und Spanien nicht so vertraut wie in Skandinavien oder Asien. Ich habe mich dann gefragt, wer Francesco (Name von der Redaktion geändert) einen Job als Verkäufer in einer Aufbackstube gegeben hat? Ohne Deutschkenntnisse und mit rudimentärem Englisch geht so etwas wohl nur in Berlin:
Imaginärer Kunde (IK) “Ik hätte jerne zwee Schrippn.”
Francesco (F) “Si, due alora tu Tschrippn.”
IK: “Korrektemang, und leg gleich nochn Schustajungen druff.”
F: “Husterjungentruff?”
Wer also etwas erleben will trifft Menschen. Wer aber dabei nicht aus dem Lächeln herauskommen will, trifft sie in Berlin. Am besten beim Untervermieten seiner Wohnung.






Und das gab's letzte Woche:

Andi Bühler schreibt

Die Montags-Kolumne


Abrechnung im Minuten-Takt

Da braucht sich jetzt keiner von uns rauszunehmen – wenn die Zeit knapp ist, wird der Mensch gefährlich!
So entspannt ich mit den größten Stresssituationen zurecht komme, wenn ich genügend Zeit habe, um damit fertig zu werden, so unfassbar aufgeregt und ungenießbar werde ich schon bei den lächerlichsten und einfachsten Aufgaben im Angesicht von Zeitnot.
Nicht fertigwerden, nicht rechtzeitig ankommen, zu spät loskommen, den Termin verpassen.
Ja, das ist nicht nur anstrengend, auch macht es aus uns unberechenbare Wesen. Bereit, die alte Oma und die Schwangere beiseite zu stoßen; bereit, alle Gefahr für sich selbst und für seine Umwelt zu übersehen.
Wir kennen es alle. Erst wenn wir wieder zu Dr. Jekyll geworden sind, merken wir, was wir gerade als Mr. Hyde alles angerichtet haben.
Die anderen Mr. Hydes um uns herum entlarven wir meist auf den ersten Blick, doch das eigene Monster zu entlarven und zu zähmen, bedarf größter Disziplin.
Wenn ich mich morgens, wie immer zu spät, in meine Schuhe quäle und die Sachen für den Tag in den Rucksack werfe, bekommt meine Umwelt die geballte Ladung Mr. Bühler ab. Meine Freundin ist schon daran gewöhnt und kann wohl oder übel damit leben (behauptet sie zumindest). Sobald ich in die Öffentlichkeit trete, bin ich dann auch schon wieder Mr. Andi und niemand hat etwas von mir zu befürchten.
Der besagte Zeitdruck, dem ich mich freiwillig immer wieder aussetze, ist anstrengend, doch mit Peitschen und Fußfesseln schaffe ich es fast immer, den Wüterich in die eigenen vier Wände zurück zu drängen und dort einzusperren.
Ganz anders sähe es aus, wenn Mr. Bühler entkäme und sich unser Auto unter den Nagel reißen könnte: ein krummbuckliges, spitzzähniges, vollbehaartes Rumplelmonster soll sein Höllenmobil mit Tempo Dreißig durch die verkehrsberuhigte Schulstraße lenken und bei jeder roten Ampel einfach mal anhalten, wie es sich gehört? Unvorstellbar! Gas geben, Hupen, in letzter Sekunde über die rote Ampel, das Nachbarauto abdrängen, nie jemanden in die Lücke reinlassen, Fahrradfahrer hassen, Fußgänger hassen, Autofahrer hassen, jaaaaaaaaaaaaaa!!!!!!
Unsere Mr. Bühlers, Mr. Schneiders, Mr. Müllers oder Mrs. Köhlers und wie sie alle heißen müssen zuhause eingesperrt bleiben. Für immer! Die Welt ist zu zerbrechlich, als dass wir sie dieser Gefahr aussetzen dürften.
Doch das ist gar nicht so einfach. Taxiunternehmen oder DHL stellen mittlerweile überhaupt keine Promovierten mehr ein. Als Dr. Andi hätte ich null Chance auf einen Job. Natürlich gibt es von einigen Arbeitgebern Kurse, die den Mr. in jedem heraufbeschwören sollen – denn nur als Mr.Bühler hätte ich dem aufgelasteten Zeitdruck etwas entgegen zu setzen. Es geht um Geld (was bekanntlich dasselbe ist wie Zeit) und da dürfen wir nicht nett sein. Schnell muss es gehen und die Straße ist ein Autoscooter. In unserer boomenden Ich-bestelle-mir-alles-nach-Hause-Kultur gilt eine eigene Verkehrsordnung. Die Straßen sind voller Kleintransporter und am Steuer sitzen Mr. X und Mr. Y. Auch der Taximann muss schnell sein, damit er gleich den nächsten Kunden transportieren kann. Dr. Taximann hat hinter dem Steuer nichts zu suchen. Doch die höchste Erfolgsrate in der Beschwörung der dunklen Seite des Menschen wird nicht beim gewerblichen Güter- und Personentransport verbucht. Eine hundertprozentige Gewissheit auf den persönlichen Mr. Hyde versprechen Unternehmen wie DriveNow und Car2Go. Das funktioniert ganz einfach. Man sucht über sein Smartphone ein Auto von besagten Unternehmen heraus, das irgendwo in unmittelbarer Nähe in der Stadt geparkt ist. Suchen, Finden, Einsteigen, Losfahren. Bezahlt wird per Karte übers Kundenkonto. Das ist doch erstmal toll. Mein persönliches Beförderungsmittel, ohne dass ich ein eigenes Auto haben muss. Gut für die Umwelt und den Geldbeutel. Aber stimmt das denn? Auf die Fahrtzeit und die Strecke gerechnet sind diese Systeme extrem teuer (ca. 30 Cent pro Minute).
Aber man nutzt es ja nur ganz kurz und nach Abstellen hat man das Ding wieder los und ist frei.
Wenn da nicht der Zeitdruck wäre. Es lohnt sich natürlich nur, wenn man unfassbar schnell von A nach B düst. Und wer sitzt da jetzt wohl am Steuer – der Dr. oder der Mr.?
Ich frage mich, ob eine Stundenabrechnung nicht sinnvoller wäre. Nicht dass mir die Sicherheit von Kindern, Fahrradfahren, Fußgängern und promovierten Autofahrern am Herzen läge, doch irgendetwas sagt mir, dass wir uns allen mehr Zeit zugestehen sollten. Dann würden wir uns auch nicht so viele Gedanken ums Geld machen müssen. Ich probier das jetzt mal aus und falls es nicht klappen sollte, möchte ich mich schon jetzt entschuldigen, wenn mein Monster mal eins eurer Kinder umfährt.
Es grüßen euch Dr. Andi und sein Mr. Bühler






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